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Umgang mit Füllwörtern.

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Jeder kennt sie. Jeder hat sie schon einmal gehört. Viele nutzen sie. Füllwörter! Mancherorts werden sie auch Bläh- oder Flickwörter genannt.

Sie begegnen uns als „ääh“ oder als „ehm“. Einige nutzen auch nur ein kurzes „hm“, kaum hörbar, aber da. Die Liste lässt sich sehr weit fortführen mit Worten wie „genau“, „also“ und „eigentlich“.

Warum aber nutzen wir solche Füllwörter? Es ist aus meiner Erfahrung heraus ein Verhalten, um peinliche Pausen zu übertönen. Die Angst vor der Stille. Im Kopf haben wir uns eine Erwartungshaltung aufgebaut, dass wir in keinem Fall die Zuhörer warten lassen dürfen. Die müssen unterhalten werden. Ich muss reden – dafür werde ich bezahlt. Die Zuhörer haben ein Recht auf Informationen. Und wenn ich nicht rede sondern nachdenke, bescheinigt man mir vielleicht noch Unvermögen. Und überhaupt die Redesituation, das Lampenfieber. Und so weiter.

In meinen Seminaren reite ich auf Füllwörtern gerne herum. Dort neige ich dann schon zu Übertreibungen. Doch das tue ich, um ein Bewusstsein zu schaffen, wie sich Füllwörter beim Empfänger anhören. Und was sie auslösen.

                                                                                                                                 Fotoquelle: Pixabay

Da war beispielsweise ein Teilnehmer, der in seinem knapp 3-minütigen Vortrag insgesamt 23 Mal das „ähh“ benutzte – in verschiedensten Varianten. Als ich ihm nach seinem Auftritt mitteilte, dass ich auf meiner Strichliste 23 zusammenaddiert hatte, verfiel er in leichtes Lächeln. „Das kann nicht sein“ war die lapidare Antwort.

Doch gut, das ich in meinen Seminaren immer Alfons dabei habe. Alfons ist die Videokamera, die schonungslos aufzeichnet und im Anschluss gerne berichtet. Nachdem wir uns die Aufzeichnung gemeinsam angeschaut hatten, war dieses leichte Lächeln mittlerweile zu einem eingefrorenen Gesichtsausdruck geworden. „Das bin ich?“ war die Antwort. „Ja, das sind sie, sie ganz im Original und keine Kopie“. Ich fuhr fort: „Verstehen Sie jetzt warum ich auf diesen Füllwörtern herumreite? Doch die haben in ihrem Vortrag gar nichts, aber auch rein gar nichts verloren. Und dann noch in dieser Masse!!!“ Ich baute eine Pause ein. „Und vielleicht wird Ihnen jetzt klar, welche Kraft und Ausstrahlung ihr Vortrag ohne jegliches „Ähh“ bekommt?“ Leichtes Nicken war die Antwort.

Zum Ende des Tages erreichte er bei seinem Schlussvortrag die stattliche Zahl von Null Füllwörtern. Und erst vor ein paar Wochen schrieb er mir, dass er im neuen Unternehmen nach Abschluss eines ca. sechsmonatigen Projektes die Abschlusspräsentation halten musste. Er schnitt als Bester ab. „Und daran sind Sie nicht unschuldig, Herr Lachmann!“ Danke für die nachträgliche Belobigung.

Was kann ich nun gegen den Einsatz von Füllwörtern tun?

Die Rezepte sind vielfältig. Jeder Trainer aus dem Bereich Kommunikation vertraut auf seine erfolgreichen Lösungen. Ich möchte Ihnen gerne auch meine Empfehlung mit auf den weiteren Weg geben.

Um den Einsatz von Füllwörtern zu reduzieren, braucht es Übung. Übung. Und nochmals Übung. Ich habe mir die Nutzung von Füllwörtern größtenteils abgewöhnt, indem ich sehr sensibel auf mich selbst achte. Während der Veranstaltungen bekomme ich immer wieder Rückmeldung von meinem Körper:

  • Wie ich stehe
  • Wie ich gehe
  • Wo befinden sich die Hände
  • Wie und wo ich mich bewege
  • usw.

Da ist also zuerst einmal Sicherheit gefragt. Im Thema welches ich vertrete und kommuniziere sicher zu sein. Weiterhin besteht die Sicherheit darin, dass ich mir bewusst werde, was da gerade auf der Bühne bei mir abläuft. Deswegen achten Sie einmal in den kommenden Veranstaltungen darauf, ob Ihnen etwas auffällt.

Eine weitere Hilfe ist auch, dass Sie eine oder mehrere Personen Ihres Vertrauens im Publikum platzieren. Geben Sie denen die Aufgabe sie als Redner zu beobachten. Und erwarten Sie im Nachhinein dann auch ein Feedback, das Ihnen weiterhilft.

Mir selbst haben die Pausen geholfen. Pausen sind ja das Sahnehäubchen einer jeden Rede. Und genau in dieser Pause schweige ich. Hört sich leichter an wie gesagt. Und dennoch: Das sich zwingen in Pausen zu schweigen hat dazu geführt, nichts zu sagen – auch kein Füllwort. Mit der Zeit hat das auch im gesamten Redefluss immer mehr und mehr Einzug gehalten.

Fazit:

Je  mehr und mehr Sie sich vom Einsatz der Füllwörter verabschieden, desto mehr erkennen Sie die Qualitätssteigerung in Ihren Vorträgen und Präsentationen. Starten Sie langsam und geben Sie sich Zeit. Auch Ihr Publikum wird – oft unbewusst – Ihnen mehr und mehr gerne zuhören.

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